Reiserecht - Sinai Perle des Orients

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Neues Reiserecht
Bisher vermittelten sowohl Reisebüros als auch Online-Portale  entweder fertige Pauschalpakete eines Reiseveranstalters oder einzelne  Leistungen wie Flug, Hotel und Mietwagen. Die Pauschalreise ist gut  abgesichert: Der Urlauber bekommt bei Insolvenz des Veranstalters sein  Geld zurück, kann bei Mängeln nachträglich den Reisepreis mindern und  Schadenersatz verlangen. Individualreisende haben diese Rechte so nicht.
Nun wurde eine dritte Kategorie eingeführt: die vermittelte  verbundene Reiseleistung. Sie liegt dann vor, wenn der Anbieter dem  Urlauber mindestens zwei verschiedene Leistungen für dieselbe Reise  verkauft und dabei verschiedene Rechnungen etwa von der Airline und dem  Hotel entstehen. Die einzelne Leistung muss mindestens 25 Prozent des  Gesamtpreises ausmachen. «Die einzige Neuerung ist hier, dass der  Vermittler in diesem Fall eine eigene Insolvenzabsicherung vorlegen  muss», sagt der Reiserechtsexperte Prof. Ernst Führich aus Kempten.
Im Reisebüro ändert sich dadurch nicht viel: Auch bisher konnte das  Büro zum Veranstalter mit entsprechender Haftung werden, wenn es mehrere  Einzelleistung bündelte und als eigenes Paket verkaufte. «Das war aber  vielen Reisebüros überhaupt nicht bewusst», sagt Sabine Fischer-Volk,  Juristin bei der Verbraucherzentrale Brandenburg.
Das neue Recht sorgt hier für mehr Transparenz: Das Reisebüro muss  dem Urlauber nun ein Formblatt aushändigen, auf dem klar steht: Du  kaufst eine Pauschalreise - oder eine verbundene Reiseleistung.
Transparenz sollen Reisende auch bei Online-Portalen bekommen. Diese  verkaufen ebenfalls klassische Pauschalreisen. Meist vermitteln sie aber  nur Leistungen anderer, auch wenn die Reise wie ein fertiges Paket  aussieht - eine verbundene Reiseleistung. Hier gilt dann analog wieder:  Das Portal muss aktiv darüber informieren. Und es muss eine  Insolvenzabsicherung haben, sofern es Kundengelder kassiert. «Die  Portale werden den Reisebüros gleichgestellt», sagt Führich.
Informiert ein Portal oder Reisebüro nicht darüber, wenn es statt  Pauschalpaket nur eine verbundene Reiseleistung verkauft, haftet es  automatisch wie ein Veranstalter. Dem Urlauber stehen dann die Ansprüche  des Pauschalreiserechts zu: Insolvenzschutz, Rückhol-Garantie nach  Deutschland im Krisenfall und die nachträgliche Preisminderung bei  Mängeln einer Reise. Eine vermeintliche Pauschalreise im Internet  kaufen, obwohl sie gar keine ist - das soll letztlich verhindert werden.
«Lieber Kunde, Sie buchen eine verbundene Reiseleistung» - mit einer  solchen Erklärung können sich Portale absichern. Klingt simpel, ist es  aber nicht, findet der Verband Internet Reisevertrieb (VIR). Denn  manchmal wisse ein Portal aus technischen Gründen gar nicht, ob und wann  es eine verbundene Reiseleistung verkauft, erklärt VIR-Vorstand Michael  Buller.
Die IT ist hier oft das Problem. Ein Beispiel: Ein Hotel-Portal  bindet die Angebote eines externen Mietwagenvermieters auf seiner Seite  ein. Der Kunde bucht ein Fahrzeug gleich mit (binnen 24 Stunden), ohne  dass dies im System des Vermittlers registriert wird - aus der reinen  Hotelbuchung wird eine verbundene Reiseleistung. Das könnte in der  Praxis noch für Probleme sorgen. Verbraucherschützer fürchten, Portale  könnten nach rechtlichen Schlupflöchern suchen.
Bewertung: Die verbundene Reiseleistung hat in der Branche für viel  Wirbel gesorgt, Unternehmen müssen ihre Prozesse umstellen. «Für den  Urlaub ändert sich im Prinzip wenig», sagt Führich. Der Kunde bekommt  mehr Klarheit, was er bucht. Der bessere Insolvenzschutz wird aber nur  dann wichtig, wenn eine Anzahlung durch eine Pleite des Reisebüros oder  des Online-Portals bedroht ist.
FERIENHÄUSER UND TAGESREISEN NICHT MEHR ABGESICHERT
Das Pauschalreiserecht gilt künftig nicht mehr für Ferienwohnungen  und Ferienhäuser aus dem Angebot von Reiseveranstaltern. Auch  Tagesreisen bis 500 Euro sind nicht mehr abgedeckt. Beides war bislang  eine Besonderheit des deutschen Reiserechts, das im Zuge der  europaweiten Angleichung entfällt. «Der Reisende verliert hier seinen  über 30-jährigen Schutz», sagt Führich, der Sachverständiger im  Gesetzgebungsverfahren in Berlin war.
Beispiel: Der Urlauber bucht bei einem Reiseveranstalter ein  Ferienhaus in Spanien. Vor Ort stellt sich heraus: Die Unterkunft ist  völlig verdreckt. Bislang konnte der Gast nach der Reise verhältnismäßig  bequem vom Veranstalter einen Teil des Geldes zurückfordern, bei  Weigerung per Gericht am Stammsitz der Veranstalters. Das ist nun unter  Umständen nicht mehr so einfach. «Der Veranstalter kann in den AGB  vereinbaren, dass bei spanischen Ferienhäusern spanisches Recht gilt und  ein spanisches Gericht urteilt», sagt Führich. Geld zurückzubekommen,  würde erschwert.
Bewertung: Eine klare Verschlechterung der rechtlichen Absicherung des Urlaubers, so das Fazit von Verbraucherschützern.
MEHR ZEIT FÜR DIE MÄNGELANZEIGE
Bislang konnten Urlauber maximal bis einen Monat nach der Reise  Mängel anzeigen, um Geld vom Veranstalter zurückzubekommen. Künftig ist  dies bis zwei Jahre nach der Reise möglich.
Bewertung: Nach Ansicht des Deutschen Reiseverbands (DRV) ist die  Änderung unnötig. Das Argument: Wer kann nach zwei Jahren noch beweisen,  dass das Essen im Hotel schlecht war oder der Strand verschmutzt?  Andererseits sollten Urlauber Mängel ohnehin vor Ort dokumentieren,  damit sie später die Preisminderung durchkriegen. Künftig haben sie mehr  Zeit für die Rückforderung - ein Vorteil.
GRÖSSERE PREISÄNDERUNGEN NACH BUCHUNG MÖGLICH
Bisher konnte ein Urlauber den Reisevertrag kostenlos kündigen, wenn  der Veranstalter den Preis nach der Buchung um fünf Prozent und mehr  erhöhte. Künftig ist dies erst ab acht Prozent möglich. Außerdem durfte  bislang der Preis binnen vier Monaten vor Reisebeginn gar nicht mehr  erhöht werden, so der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Dieser  Schutz beginnt künftig erst 20 Tage vor Reisebeginn. Der Veranstalter  bekommt zudem mehr Spielraum bei Leistungsänderungen nach der Buchung,  etwa dem Austausch des Hotels. Wenn der Reisende nicht aktiv  widerspricht, gelten die Änderungen als akzeptiert.
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